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Verfahrenskomplex Signa: Ermittlungen gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden und weitere neue Ermittlungsverfahren

  • Ermittlungen wegen Untreue in Höhe von rund 10 Millionen Euro gegen Alfred Gusenbauer als Aufsichtsratsvorsitzenden zweier SIGNA-Gesellschaften
  • Ausweitung der Betrugsermittlungen betreffend Kapitalerhöhung um weitere 250 Millionen Euro
  • Weitere Ermittlungsverfahren zu Untreue und betrügerischer Krida wegen diverser Intercompany-Darlehen


Presseinformation, 16. April 2026

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft informiert im Verfahrenskomplex Signa über folgende aktuelle Entwicklung:

Im Verfahrenskomplex Signa hat die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft neue Ermittlungen eingeleitet und Ermittlungen zu bestehenden Vorwürfen ausgedehnt.

Neue Ermittlungsstränge betreffend Untreue, Betrug und betrügerische Krida

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft bestätigt erstmals im Verfahrenskomplex Signa Ermittlungen zu folgenden Sachverhalten:

  • Faktum: Ermittlungen wegen Untreue gegen Alfred Gusenbauer als Aufsichtsratsvorsitzenden zweier SIGNA-Gesellschaften sowie gegen ein Vorstandsmitglied

Alfred Gusenbauer soll als Aufsichtsratvorsitzender der Signa Development Selection AG und der Signa Prime Selection AG im Oktober und November 2022 seine Befugnisse missbraucht und dadurch die beiden Gesellschaften in Höhe von insgesamt 10 Millionen Euro geschädigt haben. Konkret soll er mit einem Vorstandsmitglied dieser Gesellschaften jeweils eine ungerechtfertigte Abschlagszahlung auf eine Erfolgsbeteiligung vereinbart und deren Auszahlungen an das Vorstandsmitglied angeordnet haben. Die Vereinbarung und die Anordnung der Zahlungen sollen ohne das Vorliegen der rechtlichen Voraussetzungen erfolgt sein, insbesondere ohne Zustimmung des Gesamtaufsichtsrats. Das Vorstandsmitglied wiederum wird beschuldigt Alfred Gusenbauer als Aufsichtsratsvorsitzenden zu diesen Taten bestimmt zu haben.

In diesem Zusammenhang wurden auch Hausdurchsuchungen und Sicherstellungen von Datenträgern und Unterlagen an mehreren Adressen in Wien und Niederösterreich durchgeführt. Die Durchsuchungen waren von der Wirtschafts- und Korruptions­staatsanwaltschaft angeordnet, dem Landesgericht für Strafsachen Wien bewilligt und sind von der SOKO Signa des Bundeskriminalamts durchgeführt worden.

  • Faktum: Kapitalerhöhung durch Geldkarussell – Ausweitung des Ermittlungsverfahrens

Die Ermittlungen zum Faktum „Kapitalerhöhung durch Geldkarussell“ werden ausgeweitet: So soll René Benko eine weitere Gesellschafterin der Signa Holding GmbH durch Vorspiegelung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und Rückzahlungswilligkeit der Signa Holding GmbH zunächst zur Gewährung eines Darlehens in Höhe von 250 Millionen Euro verleitet und in weiterer Folge betrügerisch zu Darlehensverlängerungen und einem teilweisen Forderungsverzicht bewogen haben.

Bisher liefen bereits Ermittlungen wonach René Benko Gesellschafter der Signa Holding GmbH zu weiteren Investments im Rahmen einer Kapitalerhöhung in die Gesellschaft verleitet haben soll, dies ua unter dem Vorwand, selbst durch die Familie Benko Privatstiftung ebenfalls Geld zuzuschießen. Dabei soll er die Investments der getäuschten Gesellschafter zum Teil durch Überweisungen über mehrere Unternehmen hinweg schlussendlich als seinen eigenen Beitrag zur Kapitalerhöhung ausgegeben haben.

  • Faktum: Intercompany-Darlehen – Ermittlungsverfahren wegen Untreue und betrügerischer Krida in mehreren Fällen

Im neuen Faktenkomplex Intercompany-Darlehen wird wegen Untreue und betrügerischer Krida ermittelt. Es besteht der Verdacht, dass u.a. René Benko und mehrere Verantwortliche diverser österreichischer und deutscher Signa-Gesellschaften sowie weitere unbekannte Täter unbesicherte Darlehen an andere Signa-Gesellschaften in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe gewährt haben. Durch die Darlehensgewährungen sollen die Gesellschaften geschädigt und die Befriedigung der Gläubiger der Gesellschaften vereitelt bzw. geschmälert worden sein.

Nähere Angaben können zu diesen Verfahrenssträngen aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit nicht gemacht werden.

Hintergrund: Zum Verfahrenskomplex Signa

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt im Verfahrenskomplex Signa mit Unterstützung der SOKO Signa des Bundeskriminalamts u.a. wegen schweren Betrugs, betrügerischer Krida, Untreue, Förderungsmissbrauchs und Gläubigerbegünstigung. Ermittelt wird gegen über ein Dutzend Beschuldigte und einen Verband; der ermittlungsgegenständliche Gesamtschaden beläuft sich derzeit auf über 1,5 Milliarden Euro.

Der Verfahrenskomplex Signa umfasst mehrere Verfahrensstränge, auch mehrere Anklagen wurden bereits eingebracht (siehe bisherige Presseinformationen). Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt mit einem Team von mehreren Staatsanwält:innen und Wirtschaftsexpert:innen seit Ende 2023 und führte seither zahlreiche Hausdurchsuchungen, eine Vielzahl an Sicherstellungen sowie eine Festnahme durch. Ausgewertet werden mehrere Terabyte an sichergestellten Daten sowie unzählige physische Unterlagen. Der gesamte Ermittlungsakt umfasst derzeit über 2500 Ordnungsnummern.

Rückfragen & Kontakt

Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft
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