Group Counselling im österreichischen Straf- und Maßnahmenvollzug
Ein wirksames Instrument für soziale Entwicklung und Resozialisierung
Group Counselling ist ein seit vielen Jahren etabliertes Betreuungsangebot im österreichischen Straf- und Maßnahmenvollzug. Die strukturierte Gruppenberatung stärkt soziale Kompetenzen, fördert persönliche Entwicklung und wirkt sich positiv auf das Anstaltsklima aus.
Im Zentrum steht das soziale Lernen in der Gruppe. In einem geschützten Rahmen erhalten Insass:innen die Möglichkeit zu Reflexion, Austausch und gegenseitiger Unterstützung. Die freiwillige Teilnahme erfolgt im Rahmen der individuellen Vollzugsplanung und unterstützt gezielt Resozialisierungsprozesse.
Die Gruppen treffen sich in der Regel einmal wöchentlich für 90 bis 120 Minuten. Themen sind der Haftalltag und die persönlichen Lebenssituationen der Teilnehmenden.
Ein wesentliches Merkmal ist der nicht-direktive Ansatz: Die Gruppe bestimmt Themen und Tempo selbst. Der Austausch unter den Teilnehmenden steht im Vordergrund, die Gruppe berät sich gegenseitig.
Ziele und Inhalte
Ziel des Group Counselling ist es, Insass:innen zur eigenverantwortlichen und gewaltfreien Bewältigung der Haftsituation zu befähigen. Durch emotionale Entlastung und soziales Lernen werden unter anderem folgende Kompetenzen gestärkt:
konstruktive Kommunikation und aktives Zuhören
Feedback geben und annehmen
Perspektivenübernahme
Konflikt- und Krisenbewältigung
Verantwortungsübernahme
Bearbeitet werden unter anderem Konflikte, belastende Ereignisse im Haftalltag, familiäre Themen, Lebensplanung oder Rückfallvermeidung. Group Counselling kann zudem als Vorstufe zu weiterführenden Betreuungs- und Behandlungsangeboten dienen.
Die Rolle der Group Counsellor:innen
Group Counsellors sind ausgewählte und speziell ausgebildete Mitarbeiter:innen der Justizanstalten, überwiegend Bedienstete der Justizwache. Sie übernehmen diese Aufgabe freiwillig, außerhalb ihrer regulären Dienstzeit und in ziviler Kleidung als zertifizierte Nebentätigkeit.
Ihre Rolle ist moderierend und unterstützend: Sie fördern den Beratungsprozess, schützen einzelne Gruppenmitglieder, achten auf wertschätzende Kommunikation und gewährleisten einen vertraulichen, gewaltfreien Rahmen.
Wirkung und Nutzen
Die Studie sowie die Erfahrungen aus der Praxis zeigen deutlich: Group Counselling wirkt.
Teilnehmende berichten von gesteigerter emotionaler Offenheit, verbesserten Kommunikationsfähigkeiten, einem Gefühl von Zugehörigkeit sowie gestärkter Selbstverantwortung.
Gleichzeitig wird das Angebot als deeskalierend und ordnungsstiftend wahrgenommen. Konflikte können frühzeitig bearbeitet werden, was sich positiv auf das soziale Klima in den Justizanstalten auswirkt.
Qualitätssicherung
Die Qualität des Group Counselling wird durch ein umfassendes Qualitätssicherungssystem sichergestellt. Dieses umfasst ein standardisiertes Auswahlverfahren, eine einjährige, berufsbegleitende Ausbildung, verpflichtende regelmäßige Supervisionen sowie kontinuierliche Fort- und Weiterbildungen.
Studie zum Group Counselling
Die aktuelle Studie (2024/2025), durchgeführt von der Bertha von Suttner Privatuniversität St. Pölten, bestätigt die nachhaltige Wirksamkeit von Group Counselling im Strafvollzug.
Den Link zur Studie finden Sie untenstehend.